Urindiagnostik - bei COVID-19

Urintest könnte helfen, einen schweren Verlauf von COVID-19 frühzeitig zu erkennen

Bei der stationären Behandlung von COVID-19 Patienten stellte ein Expertenteam des Universitätsklinikums Göttingen fest, dass neben Lunge und Herz auch die Nieren - vor allem bei schwerstkranken Patienten - in einem frühen Stadium betroffen sind.  Die Analyse von Urinproben zeigte, dass bereits Tage vor einer raschen Verschlechterung von Covid-19 signifikante Auffälligkeiten beobachtet wurden. Zusätzlich zum Urinstatus wurden Albumin im Blut, Albumin im Urin und Antithrombin III für die Diagnose des Kapillarlecksyndroms verwendet, welches ein Prädiktor für erhöhte Flüssigkeitsverschiebung in das Interstitium und Atemversagen sein kann. Patienten, die einen schweren Verlauf der Infektion entwickelten, wiesen niedrige Konzentrationen von Antithrombin III, eine schwere Hypalbuminämie und positive Ergebnisse für Blut, Albumin und Leukozyten im Urin auf. Auf Grundlage dieser Befunde erarbeiteten die Experten des Universitätsklinikums Göttingen einen Algorithmus zur Früherkennung der COVID-19-assoziierten Nephritis und zur Abschätzung des Risikos einer respiratorischen Dekompensation durch das Kapillarlecksyndrom (capillary leak syndrome). Um die Ergebnisse zu bestätigen, wurde eine multizentrische Anwendungsstudie (NCT04347824) in Deutschland ins Leben gerufen. Nach Validierung könnte die in Göttingen erarbeitete Handlungsanweisung als Entscheidungshilfe für eine Aufnahme des Patienten auf die Intensivstation, für eine verbesserte Therapieentscheidung  und für die Initiierung präventiver Strategien mit Schwerpunkt auf dem Kapillarlecksyndrom,  herangezogen werden.

Referenzen

Gross O, Moerer O, Weber M, Huber TB, Scheithauer S. COVID-19 associated nephritis: early warning for disease severity an complications?. Lancet. 2020;395(10236):e87-e88.doi:10.1016/S0140-6736(20)31041-2